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Mittwoch, 23 Februar 2022

Kryptos: Weigern sich die belgischen Banken Fiatgeld herauszugeben?

In letzter Zeit gab es in den Medien viele Berichte über Krypto-Investoren, die Schwierigkeiten haben, ihre in Fiat umgewandelten Krypto-Einnahmen von der Börse auf ihr normales Bankkonto zu überweisen. Dieses Problem beobachten wir ebenfalls in vielen Fällen. Gelder, die von einer Kryptoplattform stammen, werden häufig überwacht, was beinahe automatisch zu Fragen über die Herkunft der Vermögenswerte führt und in einigen Fällen sogar zum Einfrieren der Vermögenswerte führen kann.

Es stellt sich nun die Frage, wie Sie sich auf den Geldtransfer von der Börse zu Ihrer "traditionellen" Bank vorbereiten können?

In diesem Artikel thematisieren wir die Informationen, nach denen Banken üblicherweise fragen, wenn Sie Gewinne aus Kryptos (in Euro) auf Ihr reguläres Bankkonto überwiesen haben oder überweisen wollen. Historie und Transparenz sind hierbei die Schlüsselwörter. 

Informationsbeschaffung

Viele Banken haben bereits angegeben, aufgrund welcher Informationen beurteilen werden kann, ob die Gelder mit gutem Gewissen und innerhalb des geltenden Rechtsrahmens angenommen werden können. Schließlich wollen die Banken angesichts mehrerer Warnungen der (internationalen) Finanzbehörden und der kürzlich verschärften Rechtsvorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche die Sachlage kennen, bevor sie Geld annehmen:  

In der Praxis zeigt sich, dass folgende Informationen entscheidend sind:

  • Herkunft der Mittel;
  • Münzen/Produkte, in die investiert wurde;
  • verwendete Plattformen und Börsen; und
  • die Steuerkonformität der erzielten Einkünfte.

Es ist wichtig zu beachten, dass (noch) nicht alle Banken eine Krypto-Politik entwickelt haben und dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Banken gibt. Während einige Banken Einkünfte aus Kryptos beinahe vollständig meiden, akzeptieren andere Banken nur Einkünfte aus definierten "klassischen" Kryptomünzen (wie Bitcoin und Ethereum). Wiederum andere Banken befassen sich eingehend mit dem Sachverhalt und nehmen eine konkrete und fundierte Analyse vor.

Beweispflicht

Bei einem Akzeptanzverfahren reichen ein paar Aussagen und Screenshots der Plattformen/Börsen in der Regel nicht aus. In der Praxis stellen wir fest, dass die Banken häufig eine vollständige Datei mit einer detaillierten Historie nicht nur aller Transaktionen, sondern auch der genutzten Plattformen/Börsen und aller Münzen, in die investiert wurde, erhalten möchte.

Ein wichtiger Aspekt bei einem Akzeptanzverfahren ist die Steuerkonformität der Einkünfte: Kann zum Beispiel nachgewiesen werden, warum die Einkünfte, die in der Vergangenheit erzielt wurden, nicht deklariert werden mussten? In einigen Fällen muss die Vergangenheit nachträglich steuerlich korrigiert werden.  Insofern die Einkünfte noch in einer künftigen Einkommensteuererklärung deklariert werden müssen, wird in bestimmten Fällen eine Steuerruling verlangt. Eine Steuerruling entscheidet, wie die Steuergesetze auf einen bestimmten Sachverhalt anzuwenden sind, was dem Steuerpflichtigen - aber auch den Banken - Rechtssicherheit hinsichtlich der Steuerkonformität der Einkünfte gibt.

Spontane Überweisung

Krypto-Investoren versuchen oft, ihre Einnahmen auf ihr belgisches Bankkonto zu überweisen, ohne die Bank zu informieren. Dabei handelt es sich häufig um eine Überweisung an die Bank, von dem die Gelder ursprünglich auf die Plattform/Börse überwiesen wurden. Der Gedanke dahinter ist, dass es in solchen Fällen keine Diskussion über die Annahme der Gelder geben sollte, da der Bank die Herkunft bekannt ist.

Es ist in der Tat richtig, dass in diesem Fall - wenn nachgewiesen werden kann, dass alle Gelder bis zur ursprünglichen Überweisung zurückverfolgt werden können - keine Diskussion über die Herkunft der Gelder geführt werden kann. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Bank keine zusätzlichen Informationen zu den Münzen/Produkten, in die investiert wurde, sowie den Plattformen/Börsen, auf denen investiert wurde, und der Steuerkonformität der Einkünfte anfordert.   

Wenn sich bei einer Prüfung nach der Überweisung herausstellt, dass man nicht ausreichend Informationen liefern kann/möchte, werden die Banken nicht zögern, das Konto zu sperren, auf das die Einkünfte überwiesen wurde, und die Akte an das BVFI (Büro für die Verarbeitung finanzieller Informationen) zu melden. Das ist natürlich eine sehr unangenehme Situation, die um jeden Preis vermieden werden sollte.

Schlussfolgerung

Bevor Sie die Erlöse aus Kryptomünzen auf Ihr belgisches Bankkonto überweisen, ist es wichtig, dass Ihre Unterlagen in Ordnung sind. Nur wenn Ihre Unterlagen in Ordnung sind, kann die Bank Ihre Überweisung akzeptieren. Die Alternative, Gelder sozusagen mit geschlossenen Augen zu überweisen, in der Hoffnung, dass keine Fragen gestellt werden, ist auf jeden Fall zu vermeiden, da es keine Gewissheit über die endgültige Annahme der Gelder gibt. In der Tat zögern viele Finanzinstitute nicht, die Konten von Kunden nachträglich zu sperren, wenn diese zum Beispiel nicht nachweisen können, dass die Gelder auf ihrem Konto steuerkonform sind.

Bei Bedarf können wir Sie bei der Kommunikation mit Ihrer Bank unterstützen.

Pieter Souffriau – Partner (Belgien) - (Pieter.Souffriau@tiberghien.com)

Mitchell Hoefman – Senior Associate (Belgien) - (Mitchell.Hoefman@tiberghien.com)

Emma Lermyte – Associate (Belgien) - (Emma.Lermyte@tiberghien.com)

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